DfT Family: Alexandra Kiesel @ Fashion Net Education Center

2. Februar 2013: Fashion Net Education Center. Die Fashion Conference in Düsseldorf. Unter dem Motto „Listen. Learn. Love.“ waren am Samstag all diejenigen herzlich willkommen, die Lust hatten, einem Modetalent zuzuhören, etwas über die Modeindustrie zu lernen sowie „Fashion“ zu lieben. Nachhaltigkeit und aufstrebende Talente standen hier im Fokus und damit war die DfT-Gewinnerin Alexandra Kiesel genau richtig, um über ihre Karriere vor, während und nach dem Nachwuchsaward “Designer for Tomorrow by Peek & Cloppenburg Düsseldorf” zu sprechen.

Nach Stricken-für-die-Integration (Rita in Palma), einem Mode-Rebellen aus Berlin (Kilian Kerner) sowie einer Lehrstunde in modischer Nachhaltigkeit (Cecilia Palmer) und noch vor einem Talk mit einer New Yorker Stillegende (Patricia Field) war Alexandra an der Reihe. Die Designerin hatte definitiv etwas zu sagen! Und lieferte damit einen der interessantesten Vorträge des gesamten Events. Die Entwicklung des Baukasten-Systems. Die Vermischung von Mode und Kunst. Aufbau eines eigenen Labels. Ohne sich dabei an irgendwelchen Moderegeln zu orientieren. Listen. Love. Learn – Alexandra Kiesel wurde dem Motto voll und ganz gerecht!

Von Anfang an: Wie hat sie das erarbeitet, was sie heute auszeichnet? Mit einer praktischen Ausbildung als Schneiderin war der Grundstein für ihren einzigartigen Zugang zur Mode während der Kunsthochschule Weißensee in Berlin bereits gelegt – sie entwickelte ein spezielles Schnittsystem, indem sie die verschiedenen Körperpartien exakt studierte. Besonders interessant: ihr erstes Projekt im ersten Semester. X it – cut it yourself. Auf eine Stoffbahn druckte die Designerin verschiedene Schnittmuster in verschiedenen Farben. Die Kundin muss sich für die Herstellung eines Kleidungsstückes entscheiden, der Farbe folgen während die anderen Optionen auf dem Stoff sichtbar bleiben. Nicht tragbar. Aber Konzeption von seiner besten Seite. Nicht produzierbar. Aber wegweisend. Und dann: “Vom Blaumann zum Broker”: eine Kollektion, die den kompletten Kleiderschrank eines Mannes abbildet. Mit einer kleinstmöglichen Anzahl an Teilen immer gut angezogen. Vom Anzug bis zur Jogginghose miteinander kombinierbar. Man erkannte die Nachhaltigkeit ihres Designs schon hier. Darauf folgte die Kunst, eine besondere Erfahrung bei dem Künstler Erwin Wurm. Inspiriert von einer seiner Skulpturen füllte sie einen Totenkopf aus verschiedenen Stoffen mit Bauschaum. Es erwies sich als eine gute Schule in Materialkunde, da aus den verschiedenen Totenköpfen – ja nach Material – unterschiedliche Formen entstanden.

Nun hatte der Talk den Punkt erreicht, an dem der DfT in Alexandra Kiesels Leben und vor allem in ihre Karriere trat. Die Abschlusskollektion. Baukasten Individualisten. Gewinnerkollektion des “Designer for Tomorrow”-Awards. Wie sie heute erzählt: durch Color Blocking und Patchwork die plalativste Form des Baukasten-Systems. Was hat sich seitdem verändert? Wie hat die Designerin die Idee “Baukasten-System” weiterentwickelt? – Das System wird immer subtiler. Für ihre zweite Kollektion “Support your local heroes” kombinierte sie es mit Impressionismus. Für ihre dritte Kollektion “Vom Bauen von Mode” traf das Baukasten-System auf russischen Konstruktivismus. Kunst. Aber kein Bauhaus mehr.

Trotzdem: Eine KIESEL-Kollektion ohne Kunst-Bezug ist nur schwer vorstellbar. Meistens teilt sie ihren Erfolg dabei mit aufstrebenden Künstlern – die gleichzeitig Freunde sind – in kreativer Zusammenarbeit. Und ebenso wie diese Freigeister, denkt auch Alexandra Kiesel nicht in Saisons. Um mit einer neuen Kollektion zu starten braucht es 1. ein interessantes Thema, das 2. politisch ist und 3. mit dem Baukasten-System vereinbar ist.

Doch trotz all der Kunst und der Wert der Kreationen als solche: Sie sind tragbar. “Support your local heroes” wird bald in den Shops hängen, erzählt die Designerin. Wo? Wir halten euch auf dem Laufenden!

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